Tagesbericht Boxhagener Platz

Die Zeit war mal wieder reif für eine Boxhagener Platz Experience! Da der Gestrige ein sehr harter Tag war, ich heute jedoch frei hatte, beschloss ich einen ausgedehnten Trip in Berlins Livestyle-Zentrale am Boxxi zu machen und mich mit neuer Berlin-Energie aufzupumpen. Also schnürte ich meine Schuhe von Puma zu, und marschierte los. Auf dem Weg gab's noch eine morgendliche Bratwurst mit Ketchup und Senf, und eine Berliner Morgenpost, um den Tag mit ausreichender Small-Talk Kompetenz beginnen zu können.

Endlich angekommen, erwies sich der Boxhagener Platz als außergewöhnlich leer für diese Uhrzeit. Ein Zustand, den ich nutzte um mir topaktuelle Damenschuhe für meine Freundin anzugucken, genug trendy Mode Boutiquen gibt es in Fhain schließlich reichlich. Tatsächlich blieb ich länger dort, als erwartet, da auch die High Heels eine besondere Wirkung auf mich hatten. Nach langer Zeit des Schlenderns, Kostproben nehmens, und des Shoppings dachte ich, ich wäre nun soweit. Also ging ich wieder raus, um mich endlich dem zuzuwenden, weswegen ich hier war: dem Boxhagener Platz.

Inzwischen war es schon ein wenig gefüllter. Einige Hunde tollten zwischen den seicht mit Decken belagertem Rasen, auf denen sich hauptsächlich Studenten aufhielten. Einige lasen, die meisten flirteten (so vermutete ich zumindest), und ein paar ganz wenige standen aufrecht und spielten Federball. Auf dem Weg zu meinem Lieblingsbaum begriff ich, dass es heute wohl länger als sonst dauern würde, bis die spezielle Atmosphäre endlich eintreten würde, schließlich fehlte noch immer die nötige Temperatur, viele Menschen schienen noch anderswo beschäftigt zu sein, und überhaupt war die Stimmung im Moment noch mehr als frostig. Also lehnte ich mich rücklings an den Baum, entledigte mich meiner Schuhe und begann friedlich in einem Magazin zu lesen, dass ich vor zwei Wochen gekauft hatte. Das Magazin beschäftigte sich mit den neuen Charts aus der Musikbranche. Informationen, die sich auf jeder Party als nützlich erweisen können, was gerade hier am Boxxi, Berlins Dauerparty, noch einmal besondere Bedeutung erlangt. Endlich, es war gegen eins, kamen die ersten fleissigen Studentinnen aus ihren Universitäten, um sich den Kopf entschlacken zu lassen. Viele von ihnen waren in zarten Sweatshirts gekleidet, die modische Sonnenbrille immer auf der Nase, und begannen ihren Aufenthalt indem sie sich erst einmal skeptisch umblickten. Daraufhin breiteten einige ihre Decken aus, und krämpelten ihre Shirts über den Bauch hoch bis zum BH, was ich immer besonders genieße. Die erwünschte Situation war also, wenn auch mit Wartezeit, endlich eingetreten. Denn nun strömten sie alle herbei: Hippies, Studies, alte Leute, junge Leute, Linke(hiervon mehr), Rechte (hiervon weniger), und natürlich Berlins Party Szene, mit denen ich mich, als gebürtiger Berliner, natürlich am meisten identifizierte. Es kamen auch noch einge Nerds dazu, die ich immer als Störung empfinde, denn sie haben billige Schuhe und sind auch noch stolz drauf. Aber man soll sich ja immer auf das konzentrieren, was einen am meisten mitreißt, und dass war in meinem Fall eine Gruppe von Partypeople, die gerade ihre Anlage aufbauten. Ich unterhielt mich eine Weile mit denjenigen, von denen ich dachte, dass sie die Coolsten sind, über die Charts, einige Clubs, und darüber, das man mal zusammen feiern gehen sollte. Ich schlug vor, dass könne man doch auch jetzt machen, wozu hat man schließlich ne tragbare Anlage?! Gesagt getan, sie schmetterten was von Sven Väth auf die Boxen und dann ging's los, und zwar richtig. Ich glaube, wir feierten in etwa bis zwei Uhr nachts, weil sich natürlich auch immer mehr coole Menschen verpflichtet fühlten mitzumachen. Besonders schön war, dass meine Freundin auch noch dazu kam, so konnte ich dieses Fealing mit ihr teilen.

Insgesamt waren das dann zwölf Stunden Boxxi-Extrem, was mich sehr zufriedenstellte. Denn nun hatte ich wieder genug Power um mich mit dem wirklichen Berlin auseinander zu setzen.